Artikel im Göttinger Tageblatt vom 3.2.2003

Forstwirte fällen Bäume nach dem Mondkalender

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Begutachten die Qualität der Lärche: 
Lars Deneke (li.) und Peter Hasse
Foto: FRA
„Mondholz” nennt der Fachmann das, was zunächst seltsam klingt: Werden Bäume zu bestimmten Zeiten des Mondkalenders gefällt, erhält das daraus hergestellte Bauholz ganz bestimmte Eigenschaften. Forstwirt Lars Deneke aus Holzerode hat mit seinem Mitarbeiter Peter Hasse aus diesem Grund Bäume im Ebergötzer Wald gefällt: Zwischen dem 31. Januar und dem 2. Februar geschlagen, verspricht der Mondkalender besondere Festigkeit.

„Das ganze klingt stark nach Esoterik”, erklärt Deneke, sei aber inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. „In den 20er Jahren hatte der Förster besondere Stempel, um Mondholz zu kennzeichnen.” Die Idee, Bäume nach dem Mondkalender zu schlagen ginge bis auf das Mittelalter zurück, erklärt Matthias Heller vom Forstamt Bovenden, welches für den Ebergötzer Forst zuständig ist. Damals hätten einfache Leute keinen julianischen Kalender besessen.

Da Leim und Imprägnierung unbekannt oder nicht erschwinglich waren, seien die Eigenschaften des Holzes von großer Wichtigkeit gewesen. Die Menschen hätten sich auf ihre Erfahrung verlassen. So manches Fachwerkhaus habe damals Brände überstehen können, weil sich das Holz als feuerfest erwiesen habe. Ausgewählt und gefällt wurde es nach dem Mondkalender.

„Venedig wurde nachweislich auf Mondholz gebaut”, sagt Heller. Das Holz ist besonders Fäulnis-resistent und nehme kaum Feuchtigkeit auf. Doch nicht nur europäische Kulturen wussten um das Mondholz, weiß Peter Hasse. Auch in Chile oder Bali wurde Holz traditionell nach den Mondphasen geschlagen.

Das Ganze habe nichts Mystisches – es sei Wissen, dass in den vergangenen 50 Jahren einfach in Vergessenheit geraten sei. „Natürlich ist nicht nur die Mondphase wichtig”, ergänzt Deneke. Die Lagerung sei nicht von minderer Bedeutung. Ein gefällter Baum bleibe erst einmal mit der Baumkrone vier Wochen im Wald liegen. Danach werde es zu Brettern verarbeitet, und diese würden dann rund zwei Jahre lang an der Luft getrocknet. In modernen Trocknungsanlagen ginge das in einer Woche. Das mache das Holz zwar viel billiger, sagt Deneke, die Qualität sei dann aber schlechter. Zudem käme das Mondholz ohne jegliche chemische Imprägnierung aus.

Die Nachfrage nach dem unbehandelten Holz sei in den letzten zwei Jahren wieder gestiegen. Doch auch das beste Holz kann schlecht verbaut werden: Die Weiterverarbeitung des Holzes durch einen Fachmann sei daher unerlässlich, sollen Möbel und Bauwerke lange schön und auch haltbar sein, stimmen Förster und Forstwirte überein.

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Arbeitet bei jedem Wetter: Lars Deneke.
Foto: FRA

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